„The Whispered World“: Es ist nicht leicht, kein Held zu sein

Ende August erschien mit „The Whispered World“ ein wunderschönes Point & Click-Adventure, ganz klassisch im Gameplay, mit zauberhaften, handgezeichneten Hintergründen und sehr sympathischen Figuren. Du spielst Sadwick, einen kleinen Clown, vom Leben enttäuscht, traurig, pessimistisch – was herrlich ist, denn Sadwick ist außerdem gnadenlos selbstironisch und besitzt einen wunderbaren Galgenhumor. Außerdem hat er auch allen Grund zur schlechten Laune: er soll für den Weltuntergang verantwortlich sein.

CoverSeit geraumer Zeit hat Sadwick diesen immer wiederkehrenden Traum: Er läuft weg, versucht, sich in Sicherheit zu bringen, während um ihn herum die Welt buchstäblich zu Staub zerfällt. Dann ruft eine Stimme seinen Namen – und Sadwick erwacht. Als der kleine Clown, der mit dem Wanderzirkus seiner Familie durch das Land reist, erfährt, dass es sich bei dem Traum um eine Vision handelt und dass er selbst die Ursache des Weltuntergangs sein soll, beginnt das größte Abenteuer seines Lebens.  Zwar passieren ihm regelmäßig kleinere und größere Missgeschicke, aber das geht dann doch entschieden zu weit.

Wer irgendwann schon mal ein Adventure gespielt hat, wird sich in „The Whispered World“ sofort zu Recht finden. Mit einem Linksklick schickst du Sadwick durch die gut 50 handgezeichneten Schauplätze, ein Klick auf benutzbare Objekte öffnet ein Kontextmenü, das dir erlaubt, Sadwick mit ihnen interagieren zu lassen. Ich selbst habe schon ewig kein Adventure mehr gespielt – ungefähr seit der Zeit, als Games wie „Maniac Mansion“, „Day of the Tentacle“, „Zak McKracken“ oder „The Secret of Monkey Island“ auch genreübergreifend die besten Spiele waren, die man bekommen konnte. Ja, das ist lange her. Aber „The Whispered World“ ist genau das richtige Spiel, um mal wieder ein Adventure anzugehen.

Daedalic Entertainment aus Hamburg haben sich auf dieses altehrwürdige Genre spezialisiert. Mit „Edna bricht aus“ landete das Studio 2008 einen Überraschungserfolg. Wie im Vorgänger sind die Hintergründe in „The Whispered World“ handgezeichnet, der Stil ist allerdings komplett anders. Während die Optik von „Edna bricht aus“ ein wenig wie die Fieberfantasien einer begabten, aber psychotischen Siebenjährigen anmutet, hat „The Whispered World“ etwas märchenhaftes. Ein Zeichentrick-Märchen, am ehesten vergleichbar im Stil mit den Studio Ghibli-Filmen. Sehr sorgfältig und sauber gezeichnet, aber mit fantastisch bis absurden Schauplätzen.

Wolkenschloss

Und vor allem bevölkert von allerlei schrägen Lebewesen: Zwei vorlaute Steine, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen; Sadwicks Opa, stocksenil, der sich morgens einen Löffel Rasierschaum in den Kaffe rührt, damit er länger warm bleibt – das funktioniert zwar nicht, aber man bekommt schreckliche Kopfschmerzen, und dann ist es egal, wenn der Kaffee kalt ist; oder ein seltsames Pelzvieh names Krubba, das Sadwick so tauft, weil es ständig dieses Geräusch von sich gibt. Krubba – der nach allem schnappt, was ihm zu nahe kommt, und dabei ganz und gar nicht putzige, scharfe Zähne entblößt – missbraucht man übrigens schon bald als Oberteil eines Schlägels, indem man ihm einfach einen Holzknüppel hinhalten, in den er sich verbeißt.

Krubba

Den Krubba-Klöppel benötigt man kurz darauf, um im Spiel weiter zu kommen. Die meisten Rätsel in „The Whispered World“ sind ziemlich witzig und sehr schön in die Story eingebettet. Auch das ist eine große Stärke des Spiels. Nur ganz selten wird es ein wenig unlogisch – an zwei, drei Stellen ist die Lösung der Rätsel einfach nicht nachvollziehbar. Dann ist man dazu gezwungen, jeden einzelnen  Gegenstand im Inventar mit jedem benutzbaren Objekt nach dem Trial and Error-Prinzip anzuwenden, bis man weiterkommt. Eine typisches Problem zahlreicher Adventures, vor dem auch „The Whispered World“ nicht gefeit ist.

Meist wird es knifflig, wenn man die Hilfe von Sadwicks Kumpel Spot braucht, um weiterzukommen. An sich eine schöne Idee: Sadwicks bester Freund ist die immerzu grinsende Raupe Spot, die im Laufe des Spiels verschiedenen Daseinsformen annehmen kann und die man wie einen Gegenstand auf einige Objekte anwenden kann.  Mit einem brennenden Spot – keine Sorge, der hält das aus – kommt man beispielsweise an einem riesigen Spinnennetz vorbei, der aufgeblähte Spot dient als Gewicht in einem Mechanismus, und den plattgedrückten Spot benutzt man kurzerhand als Keilriemen für einen Aufzug.

Treudoof

Wer allerdings Skrupel davor hat, seinen Freund in eine Perlenpresse zu legen und ihn zu fünfteilen, wird in „The Whispered World“ erstmal nicht weiterkommen. Irgendwann probiert man natürlich auch solche extremen Maßnahmen aus, aber bis dahin vergeht viel Zeit.  Es sei denn, man wirft zwischendurch einen Blick in die Komplettlösung, die es mittleweile  im Internet nachzulesen gibt. Wer sowas aus Prinzip ablehnt, dem sei nochmal gesagt, dass solche Situationen äußerst selten vorkommen. Die meisten Rätsel im Spiel erklären sich aus der Story und der jeweiligen Situation. Wie sich das für ein gutes Adventure gehört.

Wer sich selbst davon überzeugen will: seit Mittwoch ist eine Demo zu „The Whispered World“ erhältlich, in der du den ersten Teil des ersten Kapitels antesten kannst. Der Download ist rund 700 MB groß.

Fazit:

„The Whispered World“ ist mit seinem klassischen Gameplay, seinen traumhaft schönen Schauplätzen und den witzigen Figuren und Dialogen ein Spiel, das Point & Click-Fans nicht verpassen sollten. Und wer länger kein Adventure mehr gespielt hat: jetzt wäre eine gute Gelegnheit, wieder damit anzufangen.

-„The Whispered World“-Demo herunterladen (700 MB)

-Walkthrough

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