Rollenspiele: „Risen“ und „Dragon Age: Origins“ – Ein Empfehlungsschreiben

Rollenspieler haben´s richtig gut zur Zeit: Seit dem 2. Oktober ist „Risen“ erhältlich, und morgen erscheint „Dragon Age: Origins“! Beste Unterhaltung für die grauen Herbsttage garantieren beide – allerdings repräsentieren die zwei Games gänzlich unterschiedliche Spielarten des Genres.

Packshots

Ich muss mich erst einmal outen: ich habe in den letzen Wochen aberwitzig viel Zeit mit den beiden Spielen verbracht. Fast 100 Stunden „Risen“, gut 140 Stunden „Dragon Age: Origins“. 240 Stunden insgesamt – zehn ganze Tage meines Lebens. Und ich bereue keine einzige Minute davon. Denn „Risen“ und „Dragon Age“ sind zwei hervorragende PC-Spiele. Das eine – „Dragon Age“ – ist vielleicht eine Spur besser. Ein Meisterwerk. Und ein Spiel, auf das der in Rezensionen so inflationär verwendete Begriff „Epos“ mal wirklich zutrifft. Aber auch „Risen“ hat seine Stärken: während die Rollenspiel-Oper „Dragon Age“ neue Maßstäbe in Sachen Storytelling setzt, ist „Risen“ der Meister der Immersion.

„Risen“ – Eintauchen in eine grenzenlose Welt

„Risen“ ist der inoffizielle Nachfolger von „Gothic“ aus dem Jahr 2001. Schon damals überzeugte das Essener Studio Piranha Bytes durch die zusammenhängende, in sich schlüssige, völlig konsistente Spielwelt, die es für den Titel erschaffen hatte. Jeden Ort, den man in „Gothic“ am virtuellen Horizont erkennen konnte, konnte man auch irgendwann erreichen. Die Welt war aus einem Guss. Hinzu kam, dass man mit den meisten Objekten dieser Welt sinnvoll interagieren konnte: man nahm auf Stühlen Platz oder briet Fleisch am Lagerfereur. Ebenso stimmig war die Interaktion mit den Figuren, die diese Welt bevölkerten. Sie sprachen mit einer eigenen Stimme und reagierten schon auf die bloße Anwesenheit des Avatars, etwa wenn er ihr Haus betrat oder mit gezogener Waffe auf sie zukam.

Drei „Gothic“-Teile konnte Piranha Bytes in Zusammenarbeit mit dem Publisher JoWooD entwickeln. Doch „Gothic 3“ kam zu früh auf den Markt, es steckte voller Fehler und wurde zum Inbegriff eines verbuggten PC-Spiels. Piranha Bytes und JoWooD trennten sich, die Rechte an der Marke „Gothic“ blieben beim Publisher. Deshalb heißt das neue Spiel des Essener Studios  „Risen“ – und es macht alles richtig, was bei „Gothic 3“ falsch lief.

9) Risen 2009-09-16 21-10-25-64In „Risen“ ist es die Aufgabe des Spielers, den mysteriösen Ereignissen auf der Vulkaninsel Faranga auf den Grund zu gehen. Wie schon in „Gothic“ ist die Spielwelt der eigentliche Protagonist in „Risen“. Das Eiland gleicht einem tropischen Paradies, wären da nicht die heftigen Stürme, die immer wieder über Faranga hinwegfegen. Die Welt ist – wie bei Piranha Bytes üblich – komplett aus einem Guss. Sie kennt keine Grenzen und lässt dem Spieler alle Freiheiten. Welche Wege man wählt und wohin man wann geht, das bleibt allein dem Spieler überlassen – wobei es natürlich sein kann, dass ein paar zu harte Monster eine Region der Insel in der Praxis erstmal unzugänglich machen, obwohl sie theoretisch erreichbar wäre.  Diese Welt zu erkunden macht den größten Reiz des Spiels aus: manchmal fühlt man sich in „Risen“ fast wie ein Tourist, wenn man wieder ein idyllisches Fleckchen entdeckt hat und sich erstmal nur staunend umsieht.

„Dragon Age: Origins“ – Spektakulär inszeniertes Fantasy-Epos

„Dragon Age: Origins“ funktioniert anders. Statt einer zusammenhängenden, offenen Welt besteht das neue Rollenspiel des kandadischen Entwicklerstudios BioWare aus einzelnen Gebieten, die man auf einer Übersichtskarte per Mausklick ansteuert; Rollenspiel-Veteranen kennen das schon von „Baldur´s Gate“. Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit mit dem Klassiker aus dem Jahr 1998 – nicht umsonst wurde „Dragon Age“ als geistiger Nachfolger dieses Spiels bezeichnet. Wie damals – und im Gegensatz zu „Risen“ – steuert man wieder eine Gruppe von Charakteren statt einer einzelnen Spielfigur. Die Kämpfe lassen sich jederzeit pausieren und sind sehr taktisch. Vor allem aber beweisen BioWare mit „Dragon Age: Origins“, wie hervorragend sie sich auf das Geschichtenerzählen verstehen. Und genau dabei kommt es den Entwicklern zu Gute, dass ihr Spiel modular aufgebaut ist. Denn weil die einzelnen Areale erst nach und nach freigeschaltet werden, ist der Spieler zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wodurch sich der sorgfältig ausgearbeitete Plot entfalten kann.

Aber ein guter Plot ist nicht alles. BioWare hat für „Dragon Age“ eine düstere Fantasys-Welt erschaffen, mit einer eigenen Kultur und Historie, mit einer eigenen Religion und Mythologie, die man im Laufe des Spiels immer besser kennen lernt. Außerdem begegnen einem wunderbare Charaktere. Und immer wieder kommt man in Situationen, die einem schwerwiegende Entscheidungen abverlangen. Dabei ist die Welt keineswegs schwarz-weiß, wie man das aus zahlreichen Rollenspielen, aber auch aus Romanen oder Filmen kennt. „Gut“ und „böse“ sind eben zwei realtive Kategorien – ob man die „richtige“ Entscheidung getroffen hat, zeigt sich oft erst viel später.

DAO59Was „Dragon Age: Origins“ letztendlich zu einem Meisterwerk macht – und zum vielleicht besten Rollenspiel aller Zeiten – ist allerdings nicht nur, was für eine Geschichte BioWare erzählt, sondern auch, wie diese Geschichte erzählt wird. Das Spiel bietet  zwar ein sehr klassisches Gameplay und besinnt sich im Storytelling, bei den taktisch fordernden Kämpfen und mit seinem komplexen Rollenspielsystem auf alte Tugenden. Im Bezug auf Präsentation und Inszenierung ist es aber absolut zeitgemäß. Die Mimik und Gestik der Charaktere in den Dialogen, das edle Design der Rüstungen und Waffen und vor allem die Animationen der Figuren in den Kämpfen sind vom Allerfeinsten. „Dragon Age: Origins“ ist ganz großes Kino – ein Fatasy-Epos mit dem Spieler in der Hauptrolle.

Ab morgen, 5. November, ist „Dragon Age: Origins“ im Handel. Wer etwas mit Rollenspielen anfangen kann, die viel Wert auf taktische Kämpfe und vor allem eine gute Story legen, darf dieses Spiel auf keine Fall verpassen!

„Dragon Age: Origins“-Homepage
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„Risen“-Homepage
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