Just Cause 2: Aberwitzige Action in einer gigantischen Spielwelt

„Just Cause 2“ könnte ebenso gut „Just Chaos 2“ heißen. Denn im neuen Open-World-Actionspiel von Square Enix und den Avalanche Studios sucht man als US-Agent Rico Rodriguez den Inselstaat Panau heim, um dort soviel Chaos wie möglich anzurichten. Eine junge Diktatur will gestürzt werden. Kollateralschäden gibt es nicht, als Ziel für Anschläge und Attentate kommt alles in Frage, was das Wappen des Diktators trägt. Und Ziele gibt es mehr als genug: die gigantische Spielwelt von „Just Cause 2“ erstreckt sich über 1000 Quadratkilometer und beinhaltet mehr als 300 Ansiedlungen, in denen Rico seinem schmutzigen und dabei ach so spaßigen Handwerk nachgehen kann.

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Panau, ein idyllischer Inselstaat irgendwo in Südostasien. Hier würde man sofort Urlaub machen wollen, wären da nicht der Nachwuchsdiktator Baby Panay und sein loyaler Militärapparat, die mit eiserner Hand über die Inseln herrschen. Panay ist erst seit kurzem an der Macht, und im Gegensatz zu seinem Vorgänger legt er keinen Wert auf gute Beziehungen zu den USA. Als auch noch der US-Agent Tom Sheldon mit geheimen Informationen und einem dicken Batzen Geld untertaucht, schickt die „Agency“ Rico Rodriguez auf die Insel. Seine Mission: Sheldon finden und nebenbei das neue Regime destabilsieren. Zu diesem Zweck arbeitet Rico mit den drei ansässigen Verbrecherorganistaionen zusammen, getreu dem Motto: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Wobei der ebenso schießwütige wie waghalsige US-Agent vor allem gut darin ist, sich Feinde zu machen…

Damit legt er auch direkt los: bei Ricos Ankunft auf Panau wird sein Helikopter beschossen, woraufhin unser Held kurzerhand den allzeit bereiten Fallschrim öffnet und der Basis, die das Feuer auf den Hubschrauber eröffnet hat, einen Besuch abstattet. Nach einer weiteren Story-Mission ist klar, dass der Schlüssel zum Regimewechsel auf Panau die drei rivalisierenden Banden der Roaches, Reapers und Ular Boys sind. Für sie kann Rico fortan Aufträge erledigen oder Stützpunkte erobern, um ihr Einflussgebiet zu vergrößern. Mit jedem Auftrag, aber auch durch die Zerstörung von Regierungseigentum außerhalb von Missionen, steigt der Chaos-Wert – in „Just Cause 2“ die Währung, mit der man sich neue Ausrüstung, Gruppenmissionen und schließlich Story-Missionen erkauft. Die Geschichte wird allerdings in lediglich sieben umfangreichen Missionen erzählt, die meiste Zeit ist es dem Spieler überlassen, wo er auf Panau wie für Chaos sorgt. Nach den ersten Stunden stellt man fest, dass man die riesige Spielwelt völlig frei erkunden kann – oder muss, denn jedermanns Sache ist es natürlich nicht, wenn einem ein Spiel diese Freiheit lässt.

JustCause2_6Wer sich darauf einlässt, wird jedoch begeistert sein. Das Gefühl von absoluter Freiheit ist in „Just Cause 2“ schier atemberaubend. Die Welt, die man zu Lande, zu Wasser und in der Luft nach und nach erforscht, ist die größte, die es jemals in einem Singleplayer-Spiel gegeben hat. Sie hat die Ausmaße eines Online-Rollenspiels. Panau besteht aus einer großen Insel im Nordosten, die von einem massiven Gebirge beherrscht wird, einer weiteren großen Insel im Südwesten mit trockenen Wüsten und Canyons und einem guten Dutzend kleinen Inseln, von denen eine jede so groß ist wie die Welt in so manch anderem Spiel. Zwischen den beiden großen Inseln liegt dann noch ein Archipel mit der Hauptstadt Panau City.

Die Welt wird durch die verschiedenen Klimazonen sehr abwechslungsreich. Verschneite Gletscher und zugefrorene Gebirgsseen findet man ebenso wie tropische Urwälder und sonnige Strände. Die enorme Weitsicht und die organischen Übergänge zwischen den einzelnen Gebieten tragen außerdem dazu bei, dass sie extrem glaubwürdig wirkt. Da gehen schroffe Gebirgshänge langsam und fließend in fruchtbare Täler über, und wenn man einmal mit dem Hubschrauber auf das Gebirge auf der größten Insel zufliegt, stellt man fest, dass die Dimensionen der gewaltigen Berge absolut realistisch umgesetzt wurden: erkennen kann man sie nämlich schon von sehr weit, aber im Anflug werden und werden sie nicht größer.

JustCause2_7Neben 104 Fahrzeugen – Autos, Motorräder, Boote, Helikopter und Flugzeuge – und seinem Fallschirm hat Rico noch ein weiters nützliches Hilfsmittel, um sich möglichst schnell fortzubewegen: auf Tastendruck schleudert der Geheimagent einen Greifhaken aus einer Vorrichtung an seinem linken Unterarm, der in fast allen Oberflächen hängenbleibt und Rico anschließend in die entsprechende Richtung katapultiert. So kann er sich wie Spider-Man zwischen Hauswänden  hin- und herschwingen oder einen steilen Berg problemlos erklimmen.

Aber der Enterhaken kann noch mehr: will Rico sich beispielsweise ein vorbeifahrendes Fahrzeug unter den Nagel reißen, feuert er einfach das nützliche Gadget ab und findet sich einen Augenblick später auf dem Dach des Fahrzeugs wieder. Auch einen Hubschrauber im Flug zu entern ist damit kein Problem – da die aber meist vom Miltär geflogen werden, müssen zuerst alle Soldaten an Bord erledigt werden. Auch kein Problem, schließlich braucht Rico nur eine Hand, um sich am Helikopter festzuhalten, während er mit der anderen auf die Insassen feuert. Sehr spektakulär. Schließlich kann der Enterhaken auch als Waffe verwendet werden, um etwa feindliche Soldaten von Wachtürmen herunterzuziehen. Den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt.

JustCause2_8Sehr schnell stößt „Just Cause 2“ dagegen im Bereich Storytelling an seine Grenzen. Die Geschichte des Spiels ist absolut austauschbar, und Charaktere, die mehr sind als ein Klischee in Polygonen, sucht man vergeblich. Auch wirkt die Welt unter der beeindruckenden Oberfläche sehr leblos, denn Gebäude betreten kann man nur in wenigen Ausnahmefällen und die Bewohner von Panau bewegen sich tagein, tagaus im immergleichen Trott durch ihre Städte und Dörfer.

Aber Rico hat ja auch kein Interesse an der Bevölkerung, und der Spieler wird meist ohnehin nur solange wie nötig in einer Ansiedlung bleiben. Weit über 300 Dörfer, Städte oder Militärbasen gibt es auf den Inseln, und in jeder gibt es eine genau festgelegte Menge Chaos anzurichten. Das Spiel hält einen jederzeit über den Fortschritt auf dem Laufenden, und wenn man einen Ort erst zu 100 Prozent erledigt hat, gibt es keinen Grund mehr, ihn nochmal zu besuchen.

JustCause2_5Auch die teilweise sehr unglücklichen Animationen der Spielfigur beim Klettern und Springen oder die recht schwer zugängliche Steuerung könnte man noch als Kritikpunkte an „Just Cause 2“ aufführen, aber all das wird nebensächlich, wenn man die beeindruckende Spielwelt sieht. Die grafische Pracht des Spiels hat allerdings ihren Preis: auf dem PC läuft „Just Cause 2“ nur unter DirectX 10.

Gründe genug, um sich erstmal die Demo herunterzuladen und herauszufinden, ob das Spiel auf der eigenen Hardware läuft und dem eigenen Geschmack entspricht.

Fazit: „Just Cause 2“ bietet die totale Freiheit, aberwitzige Action und eine riesige, wunderschöne Spielwelt – wer allerdings auf eine gute Story Wert legt und von einem Spiel an die Hand genommen werden will, könnte enttäuscht werden.

-Offizielle „Just Cause 2“-Homepage

-„Just Cause 2“-Demo herunterladen

One thought on “Just Cause 2: Aberwitzige Action in einer gigantischen Spielwelt

  1. Sehr guter Beitrag, steht alles drin was man über das Spiel sagen könnte. Sowohl positiv als auch negativ.

    Als einer der das Spiel spielt, empfiehlt man einem Unwissenden lieber diesen Artikel, anstatt alles selbst zu erklären 🙂

    Danke!

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