Drakensang: Am Fluss der Zeit – Am 19. Februar geht´s zurück nach Aventurien!

Nächste Woche, am 19. Februar, veröffentlichen das Berliner Entwicklerstudio Radon Labs und Publisher dtp „Drakensang: Am Fluss der Zeit“.  Die Fortsetzung des Rollenspiels „Das Schwarze Auge: Drakensang“ aus dem Jahr 2008 erscheint zu einer Zeit, in der es sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen muss. BioWares „Dragon Age: Origins“ hat gerade neue Maßstäbe im Genre gesetzt. Aber „Drakensang“ hat einen entscheidenen Vorteil: es basiert auf dem populärsten deutschen Pen-and-Paper-Rollenspiel. Und die Fans wissen, dass Radon Labs durchaus in der Lage ist, ihr Aventurien würdig für den PC zu adaptieren.

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Für alle, die zu Beginn der 1990er Jahre das Pen-and-Paper-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ gespielt haben, war es eine große Sache, als Guido Henkels Studio Attic Entertainment mit dem Spiel „Die Schicksalsklinge“ den Grundstein zur so genannten „Nordlangtrilogie“ legte. Die ersten und für mehr als ein Jahrzehnt einzigen „DSA“-Computerspiele kamen bei den Fans gut an, und auch Radon Labs profitierte von der Popularität der Vorlage, als das Studio vor zwei Jahren wieder ein „DSA“-Game herausbrachten. „Am Fluss der Zeit“ ist ein Prequel zum ersten „Drakensang“, es spielt 23 Jahre vor dem Vorgänger. In Aventurien schreiben wir das Jahr 1009 BF. Tar Honaks Armeen führen von Al´Anfa aus Krieg gegen den Süden Aventuriens, und Kaiser Hal sitzt (noch) auf dem Thron des Mittelreichs. Diesen Zeitraum in der fiktiven Geschichte des Fantasyreichs kennen alle, die in den 1990ern „Das Schwarze Auge“ und die „Nordlandtrilogie“ gespielt haben. Denn in der kontinuierlich fortschreitenden Historie des „DSA“-Universums ist das die Epoche, die damals aktuell war. „Am Fluss der Zeit“ kehrst du also zurück zu den Wurzeln der Digitalisierung Aventuriens.

Der Krieg im Süden und die Politik des Kaiserreichs haben den Spieler zu Beginn von „Am Fluss der Zeit“ aber nicht zu interessieren. Er bzw. sein Charakter ist entlang des Großen Flusses unterwegs nach Nadoret, wo er seine Ausbildung abschließen soll. Während in anderen Rollenspielen gerne Mal eine Welt zu retten oder ein großes Unheil abzuwenden ist, erwartet dich in „Am Fluss der Zeit“ zunächst kein großes Epos, sondern ein gediegenes Abenteuer. Das nimmt seinen Lauf, als dein Charakter drei Mitreisende kennenlernt, die wegen einer Reihe von Piratenüberfällen entlang des Großen Flusses ermitteln. Bei den dreien handelt es sich um die beiden Menschen Ardo vom Eberstamm und Cuano sowie den Zwerg Forgrimm – wer das erste „Drakensang“ gespielt hat, kennt diese Namen nur zu gut.

Natürlich steckt mehr hinter den Überfällen, als es zunächst den Anschein hat. Schade nur, dass die Geschichte sehr träge Fahrt aufnimmt. Wenn man „Am Fluss der Zeit“ in einer Disziplin Schwächen bescheinigen muss, dann leider im Bereich Storytelling. Ausgerechnet, wo doch BioWare mit „Dragon Age: Origins“ kürzlich eindrucksvoll gezeigt hat, wie man einen packende Story in einem Rollenspiel inszeniert.  Allerdings ist „Dragon Age“ auch ein Spiel für Erwachsene, „Am Fluss der Zeit“ wendet sich dagegen an einen Zielgruppe ab 12 Jahren. Das merkt man zum Beispiel, wenn man im ohnehin recht linearen Handlungsverlauf doch einmal eine Entscheidung treffen muss. Fast immer gibt es dann den obligatorischen Dialog mit den Mitstreitern in der Party, in dem jede mögliche Option nochmal ausdrücklich erläutert wird. Dann erklärt der Zwerg Forgrimm, dass er die Gegner lieber direkt angreifen würde, während der Dieb Cuano dagegenhält, dass man dem Problem auch mit List und Tücke Herr werden könnte – alles, damit auch der letzte, womöglich noch unerfahrene Rollenspieler merkt, dass es gerade zwei Lösungswege gibt.

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Wenigstens sind die Dialoge gut vertont, von professionellen Sprechern, und abseits der Story kann „Am Fluss der Zeit“ richtig glänzen. Du steuerst deinen Charakter und bis zu drei Mitstreiter in der 3rd-Person-Perspektive durch weitläufige Areale, die allesamt am Großen Fluss liegen. Als „Hauptquartier“ dient ein Schiff, mit dem man die einzelnen Handlungsorte ansteuert. Wie schon im Vorgänger ist viel für das Auge geboten, von idyllischen Wald- und Wiesenlandschaften über kleinere und größere Siedlungen bis hin zu verwunschenen Tempeln. Grafisch ist das Spiel wirklich gelungen, was man etwa auch an den schicken Kostümen und Gegenständen sieht, mit denen man seine Charaktere ausrüsten kann.

Das Beste ist allerdings das hervorragende Charaktersystem der Pen-and-Paper-Vorlage und wie Radon Labs es für den PC adaptiert hat. Es macht sehr viel Spaß, den Charakter während des Spiels weiterzuentwickeln. Für viele Aktionen – nicht nur für Kämpfe – gibt es Erfahrungspunkte, die man sofort wieder in Attribute, Fähigkeiten oder Zaubersprüche der Spielfigur investieren kann. Jederzeit, nicht erst, wenn man genug für eine neue Stufe angesammelt hat. Ebenfalls sehr gut gelungen ist, wie die zahlreichen Skills, die nicht im Kampf zum Einsatz kommen, sinnvoll in das Spiel integriert wurden. Ein hoher Wert im Talent „Gassenwissen“ etwa zeigt Händler und Trainer auf der Minikarte an, und „Pflanzenkunde“ gibt Hinweise darauf, wo man Kräuter für alchemische Tränke findet. Handwerker können eigene Rüstungen und Waffen herstellen, Diebe selbstverständlich schleichen, Fallen legen, Schlösser öffenen und die Taschen reicher Adliger um ein paar Dukaten erleichtern. Weil man die meisten Erfahrungspunkte nicht für Kämpfe, sondern für erledigte Quests erhält, kannst du „Am Fluss der Zeit“ getrost mit einem weniger schlagkräftigen Charakter angehen – das Spiel belohnt auch gewaltfreie Lösungen.

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Taktisch geht es trotzdem zu. Kämpfe gehören eben zum Rollenspiel, und wie im Genre üblich lassen sie sich in „Am Fluss der Zeit“ pausieren. Dann kann man für die vier Partymitglieder in aller Ruhe eine spezielle Fähigkeit oder einen Zauber auswählen, die Waffen wechseln oder einen Heiltrank trinken. Hat man den Gegner schließlich besiegt, wird gelootet, was das Zeug hält, denn schließlich gehört auch das zu einem Rollenspiel. Und „Am Fluss der Zeit“ ein absolut klassisches, sehr liebevoll präsentiertes Rollenspiel.

Fazit:

Die Welt und das Regelsystem der Pen-and-Paper-Vorlage „Das Schwarze Auge“ eignen sich bestens für ein Computerspiel, und weil Radon Labs beides mit großer Sorgfalt umgesetzt hat, dürften ihnen eingefleischte „DSA“-Fans als Käufer sicher sein. Schade ist nur, dass das Spiel eindeutig für eine jüngere Zielgruppe gemacht ist – zu jung, um beim Spielen nostalgische Gefühle zu bekommen. Wer dagegen alt genug ist, um auch die Anspielungen an längst vergangenen „DSA“-Zeiten zu verstehen, wird sich immer wieder unnötig bemuttert vorkommen. Am besten, du probierst selbst aus, ob dir die Stimmung und das Gameplay des Spiels zusagen – einfach die Demo herunterladen und damit die Zeit bis zum Release am 19. Februar überbrücken!

– „Drakensang: Am Fluss der Zeit“-Demo herunterladen

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