1. August 2009

Gähnende Leere auf der Games Convention Online

Filed under: Spiele und mehr von Pax um 15:48
 

Seit gestern, 31. Juli, findet in Leipzig die Games Convention Online statt. Auf der Homepage der Messe feiern die Veranstalter den ersten Tag als erfolgreichen Auftakt. Doch vor Ort bot sich – gerade im Vergleich zu den grandiosen letzten Jahren – ein trauriges Bild…

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Man darf die neue Games Convention Online vermutlich nicht mit den Messen der letzten Jahre vergleichen. Aber wer 2008 die Games Convention besucht hat – damals die größte europäische Messe für Videospiele – und dieses Wochenede wieder nach Leipzig kam, wird wohl nicht umhin können, den Vergleich zu ziehen.  Denn der Unterschied ist drastisch: In der riesigen Glashalle, über die man die Leipziger Messe betritt, empfingen die Besucher in den letzten Jahren schon die erste „Rock Band“-Bühne oder ein „Mirror´s Edge“-Stand, Plakate warben verheißungsvoll für die zahlreichen Spiele-Highlights, die einen erwarteten, und vor allem wimmelte es nur so von Menschen. Ganz anders gestern: auf den viel zu großen Treppen, die zu den eigentlichen Messehallen führen, wirkten die paar vereinzelten Besucher verloren, ebenso wie der Sunshine FM-Stand, der die viel zu leere Glashalle mit Elektro-Musik beschallte.

Nicht viel voller wurde es dann in den beiden eigentlichen Messe-Hallen.  In nur zwei der fünf Hallen findet die Games Convention Online dieses Jahr statt. Eigentlich ein kluger Schachzug der Veranstalter, sich auf den boomenden Markt der Client-, Browser- und Mobile-Games zu spezialisieren, nachdem der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) letztes Jahr beschlossen hatte, die Branchenmesse 2009 nach Köln zu verlegen. Und eigentlich auch ganz vernünftig, die Messe erstmal nur in zwei Hallen stattfinden zu lassen, da der Online-Markt zwar stetig wächst, aber die meisten großen AAA-Games letztendlich für Singleplayer ausgelegt sind und auf der gamescom in Köln präsentiert werden.

Das Problem der Games Convention Online ist jedoch, dass selbst die großen Online-Games nicht vertreten sind. Wer einen „World of Warcraft“-, „EVE Online“- oder „Battlefield“-Stand erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen präsentierten sich in Halle 2, der „Fantasy World“, die großen Browser-Games-Anbieter Bigpoint, Gameforge oder Gamigo. Die sind in ihrem Segment sicherlich erfolgreich, aber man war eben was anderes von der Games Convention gewohnt.

Ebenfalls in Halle 2 hatte das Partnerland der Games Convention Online, Korea, die Stände aufgebaut. Hier gab es interessante Spiele zu sehen – von denen man bisher noch nie etwas gehört hatte.  Ok, wenigstens den Horizont ein bisschen erweitert, immerhin hat man nicht alle Tage Gelegenheit, ein koreanisches MMORPG anzuspielen. Titel wie „Karos Online“, dessen Beta am 6. August startet,  oder „Last Online“ – laut Pressemeldung eine der 50 Europa- oder Weltpremieren auf der Messe – konnten durchaus überzeugen.

Zumal ansonsten ja nicht viel geboten war. Denn den Rest der Halle 2 teilten sich Bundeswehr und Bundesagentur für Arbeit, die Pan European Game Information (PEGI) oder Stände der Leipziger Uni und der ComputerSpielSchule Leipzig. Grundsätzlich – von der Bundeswehr mal eher abgesehen – sinnvolle Ergänzungen zu den Ständen der Games-Publisher auf einer Messe, solange das sonstige Programm stimmt.

Doch das wurde in der zweiten Halle, der Halle 4, der „Event Hall“, nicht besser, eher im Gegenteil. Eine riesige Kartbahn war dort aufgebaut, eine Public Gaming Area, ein Stand des Football Teams der Leipzig Lions – alles keine Gründe, auf eine Videospiele-Messse zu gehen.  Gleiches gilt für die eSport-Bereiche der Games Convention Online. Wenn eine große Messe den Rahmen für ein Deutschlandfinale der World Cyber Games bietet, ist das gut und schön. Wenn aber das Deutschlandfinale ein Highlight der Messe ist, fragt man sich als Otto-Normalbesucher, warum das große Treffen der eSport-Szene als Messe tituliert wird.

Ja, der gestrige Besuch auf der Games Convention Online war ernüchternd – für mich zumindest, und mich würde mal interessieren, wie ihr, so ihr denn zufällig in Leipzig wart, das empfunden habt.  Ich werde mich jetzt nochmal auf zur Messe machen, schon allein um zu sehen, ob heute mehr los ist.  Auf der Homepage der GCO ist schon wieder von „Scharen von Spielefans“ die Rede – aber die bezeichnete den gestrigen Freitag ja auch als erfolgreichen Auftakt.

Außerdem, das darf man nicht verschweigen, findet im Rahmen der Games Convention Online  eine Tagung statt, die GCO Conference, auf der rund 100 Referenten aus 15 Ländern die aktuellen Forschungsergebnisse rund um internetbasierte Spiele diskutieren. Zu den promineneten Teilnehmern zählen der ehemalige Sony-CEO David Reeves oder der Erfinder der Videospielkonsole Ralph Baer.

Das traurige Fazit: Als eSport-Event oder als Symposium mag die Games Convention Online ja durchaus eine Menge bieten. Aber als Messe, auf der ich als Besucher einen ersten Blick auf jede Menge großartiger Games erhaschen kann, war sie enttäuschend. Und das ist sehr, sehr schade…


3 Comments »


    Berliner schreibt, am 6. August 2009 um 21:57 von

    Hallo
    Ja das stimmt, es war ziemlich leer dort. Und ich gebe dir Recht, bei einem Zugpferd wie Blizzard hätte es ganz anders aussehen können. Vieleicht dann nächstes Jahr.
    Grüsse


    » Games Convention Online findet 2010 unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt Freeware Download Blog schreibt, am 2. Juni 2010 um 21:41 von

    […] 2009 herrschte gähnende Leere auf der Games Convention Online. Während die öffentlichen Präsentationen, die für 2010 angemeldet wurden, im Vergleich zum […]


    Leslee Coppinger schreibt, am 24. Februar 2017 um 16:15 von

    Vielen Dank für diese nützliche Informationen. Ich bin sehr froh.


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